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Am Leben Sein

vor 3 Tagen
2 Min. Lesezeit

Einem Schriftsteller tut es gut, nichts zu tun. Oder zumindest etwas, das kein aktives Denken erfordert – nicht schreiben, nicht lesen, nicht überarbeiten und schon gar nicht vermarkten. Stattdessen geht es darum, umherzuwandern, zu staunen und in die Rolle des Beobachters zu schlüpfen. Wie ein Vogel, der geduldig durch die Luft gleitet, der alles wahrnimmt und doch auf sanfte Weise dem Leben Raum lässt.


Als Schriftsteller sollte ich möglichst oft nichts tun. Doch es fällt mir schwer, denn wie die meisten Menschen muss auch ich mich mit dem Alltag auseinandersetzen: mit dem kaputten Auto, dem schmutzigen Badezimmer, den schmerzenden Zähnen und dem undichten Dach. Steuern müssen bezahlt, Pflanzen gegossen, Essen gekocht und die Eltern angerufen werden. Noch ein Kurs, noch ein Buch, noch eine Sitzung; Visionboards und endlose Urlaubsplanung.


So viel Tun, so wenig Sein.


Es wird immer üblicher, von unabhängigen Autoren zu hören, die zehn, manchmal sogar fünfzig Bücher pro Jahr schreiben und veröffentlichen. Natürlich ist das nur mit Hilfe von KI möglich, doch es ist Teil einer neuen Realität: Hochproduktive Autoren bringen Millionen von Büchern auf einen bereits übersättigten Markt.


Wer soll das alles lesen?


Hin und wieder frage ich mich, ob ich überhaupt noch weiterschreiben soll. Alles wurde schon unzählige Male auf die verschiedensten Arten gesagt. Was soll das also alles? Wir haben doch schon alle Bücher, die wir brauchen.


Für mich persönlich gibt es durchaus einen Sinn: Schreiben tut mir gut und ich teile gerne Geschichten. Doch wenn ich unsere reizüberflutete, schnelllebige Welt mit ihren Milliarden gestresster und zunehmend erschöpfter Menschen betrachte, die ständig umherlaufen und sich dabei im Kreis zu drehen scheinen, wird schnell klar, dass mehr und schneller nicht die Lösung sein kann.


Weniger vielleicht.

Langsamer, wärmer.

Ein wenig weiser.



Es könnte so einfach sein : etwas das Tempo rausnehmen, im Hier und Jetzt verweilen und alles mit größtem Gleichmut betrachten; Natürliches dem Künstlichen und Menschliches dem Intelligenten vorziehen; stets dankbar und freundlich sein. Doch die Wahrheit ist: So funktioniert das Leben nur selten. Im Wirbelwind des Alltags vergessen wir oft, was wirklich zählt.


Am Ende lässt es sich vielleicht wie folgt zusammenfassen: Die Tatsache, dass wir uns auf einem kleinen blauen Punkt befinden und am Leben sind, ist ein Wunder.

Alles andere ist ablenkender Lärm.




 
 
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